Sonntag, 13. August 2017

Sonntag, der dreizehnte...


Bätti Fledermaus steht schon bereit,
vermutlich muß sie wieder alle retten
Ich möchte zu Halloween etwas schauderhaft Gruseliges auf die Bühne bringen und stöbere auf der Suche nach Inspiration gerade in meinem Fundus. Einen entzückenden Ansatz hab ich schon gefunden:

Es gibt im Kino einen skandinavischen Gruselfilm: Nightmær on Ølm Street, mit einem furchtbaren Monster namens Freddi Krygersson (im zerfledderten Elchpullover und mit verkohlter Strickmütze), der den Kaschperlfiguren nachts in ihren Träumen begegnet.

Der Kaschperl will unbedingt ins Kino, aber die Großmutter erlaubt es ihm nicht (nicht brav gewesen, zu jung dafür, Zimmer nicht aufgeräumt, was weiß ich).

Und dann… äh… hmm…

Ob das Monster mit Imbusschlüsseln angreift? Es zwingt jeden, den es in die Finger bekommt, irgendein Schwedenmöbel zu bauen - ohne oder mit falscher Anleitung - was für ein Alptraum!

Keine Ahnung, wie das weitergeht, aber wenn ich nur an das geplante Filmplakat denke, muß ich grinsen.

... und natürlich fällt mir so ein Unfug ausgerechnet jetzt ein, wo ich eigentlich für den Bürgerverein ein eher "ernsthaftes" Stück für Erwachsene zum Thema Ehrenamt schreiben soll.

Das kann wieder so ein Theater werden, ich sags euch!

Montag, 7. August 2017

Mein schönstes Ferienerlebnis


pappcartoon goes festival… the bericht

Am Freitag bin ich frühmorgens zum 2. Thüringer Figurentheaterfest aufgebrochen. Anno Navi ist es kein Problem, kreuz und quer durch die malerischen Dörfer des Thüringer Waldes zu gurken und dann im Seminarzentrum "Schieferbruch" zu landen... kurz nachdem man das Gefühl hat, die Straße endet hinter einer gigantischen Schieferabraumhalde im Wald.

Das Hotel, in dem wir Spieler wohnten, war recht angenehm und hat eine gewisse Ostalgie verströmt, genau wie das Essen. (Ich habe zum ersten Mal Soljanka probiert.)

Nach dem Einchecken hab ich zunächst den Raum gesucht, in dem ich meinen Workshop über die Klappcartoon-Bastelbühnen halten sollte.

Das war weitgehend Improvisation; ich habe mich daran orientiert, was ich im Sommer 2015 im Rahmen der „Projekttage“ an der hiesigen Grundschule angeboten habe. Alle Teilnehmer (neben ein paar Kindern und Lehrerinnen etliche Papiertheaterveteranen) sind am Ende mit einer kleinen Klappbühne und den ersten Kulissen und Figuren davongezogen... sowie mit einem Schwung neuer Ideen.

Ich habe nämlich ein paar meiner besten Spezialeffekte mitgebracht und gezeigt, was man aus Papier alles machen kann, wenn man schräge Einfälle, eine Schere und genügend Klebstoff hat.

Das Kürslein muß ganz gut gewesen sein, denn viele Leute haben danach bedauert, daß es nicht besser angekündigt worden war; sie wären gern dabei gewesen.

Danach hab ich mir das erste Stück eines Kollegen angeschaut und dabei festgestellt, daß er zwar ein echter Profi ist, der auf einer Papierbühne (!) mit Feuer (!!) arbeitet, daß er aber auch nur mit Wasser kocht. Das war beruhigend.

der Röchler und der Lächler
Am Samstag hatte ich meinen ersten, eigenen Auftritt. Obwohl ich vor Lampenfieber vorher beinah aus den Latschen gefallen bin, ging alles glatt. Die Leute haben an den richtigen Stellen gelacht und sich gut amüsiert, als der Commander Kaschperl durch die „Unendlichen Weiten“ des Weltalls gegondelt ist. Ein paar neue Darsteller haben das frisch überarbeitete Theaterstück von 2012 zusätzlich aufgewertet.

Bei der zweiten Vorstellung am Nachmittag war ich schon etwas entspannter.


Szenenfoto aus "Unndliche Weiten"
Abends war ich komplett erschöpft: das Zuschauen bei den anderen Bühnen ist in den kleinen, dichtbesetzten Räumen bei warmem Wetter und wegen der Verdunkelung zugehängter Fenster fast noch anstrengender als das Spielen.

Aber das wars wert. Beim Blick hinter die Kulissen der anderen Bühnen habe ich sehr viel gelernt und manchmal wegen der Raffinesse buchstäblich Bauklötze gestaunt - keines ist wie das andere, obwohl die meisten von ihnen mit Vornamen „Papiertheater“ heißen.


Am Sonntag nach dem Schlußapplaus hätte ich mir so gern noch ein weiteres Theaterstück angesehen, aber ich war zu dem Zeitpunkt schon sehr müde und musste den letzten Rest Adrenalin für die Autobahn verwenden.


Die Heimfahrt verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle, mein Auto kannte den Weg ja bereits.

Heute muß ich alles wieder fein säuberlich auseinanderklamüsern und aufräumen. Ich bin immer noch etwas neben der Spur, aber sehr zufrieden mit mir und meiner Leistung. Ich bin froh, daß ich die Einladung von Penny und Ludwig Peil angenommen habe, als sie Anfang Juli bei mir angerufen hatten und mich gebeten haben, kurzfristig für eine andere Bühne einzuspringen.

Bis zuletzt hatte ich Angst vor meiner eigenen Courage und von selbst hätte ich mich wohl nie getraut, mich als Teilnehmerin bei einem derartigen Festival zu bewerben. Doch jetzt sieht die Sache ganz anders aus…

Der HighTech-Anteil bei meiner Bühne beschränkt sich nach vielen Jahren des Ausprobierens mittlerweile nur noch auf die drei kleinen Soundboxen, mit denen ich verschiedene, ulkige Geräusche machen kann. Einige Zuschauer hatten das noch nie gesehen und waren nach meinen Vorstellungen schwer begeistert von den kleinen Dingern. (Immer wieder Danke dafür, Harry!)

Da ich nicht in komplett verdunkelten Räumen spiele, komme ich sogar ohne großartige Beleuchtung aus. Das Proszenium ist grob, die Figuren sind groß, die Kulissen schlicht und weitere optische Effekte gibt es nicht. Das war ein Kontrast zu den filigranen, historischen Bühnen, der erfreulich gut angekommen ist.

der Wucki
Die eigentliche Show mache nämlich ich. Mit meiner Stimme in verschiedenen Tonarten, Dialekten und Lautstärken – und natürlich mit den schrägen Charakteren, die in meinen selbst geschriebenen Stücken mitspielen. Die NaVivi mit ihren glitzernden „Antennen“ oder Wucki, der stark behaarte Bordelektriker, haben schon beim bloßen Auftreten für Lacher gesorgt.

Dieses Festival hat mir wirklich gut getan, weil ich viel Anerkennung bekommen habe und weil einige von den Profis offen erklärt haben, was sie von mir abschauen wollen. (Ich werde mir im Gegenzug natürlich auch den einen oder anderen Kniff für meine Bühne „ausleihen“.)


das legendäre Röntgengerät
So war es zwar nicht im Stück dabei, aber Teil einer kleinen Ausstellung: das „Röntgengerät“, das ich vor Jahren für eine ganz besondere Aufführung gebaut habe. Der böse Wolf tritt hinter das Gerät – und plötzlich kann man in ihn reinschauen: er hat ein Wollknäuel und einen Filzpantoffel im Bauch und damit offensichtlich die Großmutter verschlungen…

Der Gag ist total einfach, aber unglaublich wirkungsvoll. Mal sehen, auf welcher anderen Bühne er zuerst auftauchen wird.

Es war schön, neue Leute kennenzulernen und ich freue mich schon heute darauf, diesen munteren Papiertheater-Wanderzirkus bald wieder einmal zu treffen.


Am besten, ich melde mich schon mal für das 3. Thüringer Figurentheaterfest im nächsten Jahr an - und da steh ich dann offiziell im Flyer dabei, Herrschaften!

Diese Aufführungen habe ich bestaunt:

Haases Papiertheater (Titan)
TourneeTheater Thomas Hirche (Robinson Crusoe)
Papiertheater Fabula (Der fliegende Holländer)
Das Pimperltheater (Der Riese aus dem Weinviertel)
Papiertheater Invisius (Rumpelstilzchen)
Papiertheater Heringsdorf (Orpheus)
Papiertheater Thalia (Die Hosen des Herrn von Bredow)
... nur die Bühnen bewundert:
Papierniks Papiertheater (Frau Luna)
Falk Pieter Ulke (Schneewittchen)
Papirteatret Meklenborg (Ehrengard)


Dienstag, 1. August 2017

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus...

... und darum teile ich heute froh und stolz mit,
daß ich die Ehre und das Vergnügen haben werde, am Wochenende in Thüringen einzuspringen und das ursprünglich geplante Theaterstück "Das Rübchen und der Mondfrosch" zu ersetzen.


Es geht in "Unendliche Weiten". Mit Commander Kaschperl, dem Navigationsroboter Navivi, Mister Spacko, der unvermeidlichen Großmutter und mit dem neuen Imperator, den noch niemand gesehen hat...



Außerdem darf ich am Freitag einen Vortrag halten, in dem ich das Prinzip des einfachen Papiertheaters Klappcartoon präsentieren werde.



Mehr erzähle ich euch nächste Woche...



Sonntag, 30. Juli 2017

Hello... goodbye!

Nach fast zehn Jahren im Dienst musste ich den Ur-Kaschperl durch ein neues Modell ersetzen. Da er in fast jedem Stück mitgespielt hat, seitdem mein Theater den virtuellen Raum verlassen hat, ist der Haupt-Darsteller mittlerweile etwas ramponiert.
Also hatte gestern sein Kollege Premiere, der ab sofort den Part übernimmt.

Der "alte" Kaschperl genießt seinen wohlverdienten Ruhestand als Deko-Element an meinem Schreibtisch.

... und weil "nach der Show" immer "vor der Show" ist, arbeite ich jetzt mit Hochdruck an einem Theaterstück für das nächste Wochenende, das mein Ensemble in Unendliche Weiten führt - und mich nach Thüringen zu meinem ersten Festival.

Muß ich erwähnen, daß mir dafür neben ein paar (neuen) Figuren auch noch zwei, drei Requisiten, Kulissen und der überarbeitete Text fehlen?

Wenn mich jemand sucht: ich bin in meiner Werkstatt...



Freitag, 14. Juli 2017

Interludium: mal wieder Papierkram

Heute hatte ich das Vergnügen, meine beiden jüngsten Nichten zu bespaßen. Als gute Tante (und weil das Wetter zwischendurch wirklich übel war), habe ich auf die Schnelle aus diversen Papiertheaterzeichnungen einen Bastelbogen für die kleinen Pferdenärrinnen gezaubert.


Wir haben den ganzen Eßtisch vollgebastelt, mit Koppel, Stall, Zaun, Kindern - und natürlich mit jeder Menge Pferden, für die wir noch Satteldecken und Sättel gemacht haben.




Die Große kommt eindeutig nach mir, was den Umgang mit Stiften, Schere, Klebstoff und Papier angeht - und auch ihre kleinere Schwester, ihres Zeichens ein Vorschulkind, konnte die Figuren gut ausmalen und ausschneiden, brauchte nur beim Aufsteller ein bißchen Hilfe.


Die beiden halte ich mir als Testpersonen für zukünftige Bastelaktionen warm, mit denen kann ich arbeiten!

Montag, 10. Juli 2017

Aus dem Nähkästchen plaudern...


... würde ich, wenn ich eins hätte und wenn ich mit Nadel und Faden lieber umgehen würde als mit Schere und Papier. So kann ich lediglich aus den bunten Pappkartons plaudern, in denen ich mein Figurentheater, das Zubehör und den Bastelkram aufbewahre.

Aktuell arbeite ich nämlich an drei (!) Theaterstücken parallel und greife dafür auf meinen umfangreichen Fundus der letzten sieben, acht Jahre zurück.

Unglaublich, was ich seitdem schon alles geschrieben, gezeichnet, gebaut, aufgeführt... und in der Zwischenzeit komplett vergessen habe!

Zur Inspiration genügt es mir gerade, diesen Blog von hinten nach vorn durchzustöbern und dabei auf Szenen und Figuren zu stoßen, die ich buchstäblich nicht mehr auf dem Schirm hatte.

Bei einigen geht sofort ein Licht in meiner Denkfabrik an und darum wird der Installateur (im Bild links oben zu sehen), der seinerzeit für das Jubiläum in Waldperlach die ersten, neumodischen Wasserclosetts eingebaut hatte, vermutlich im neu inszenierten Weltraumstück zum Einsatz kommen.

Sommer 2012: Historischer Bilderbogen 100 Jahre Waldperlach

Ja natürlich ist da was mit dem Lokus nicht in Ordnung...!

Betty Brunner und der Kameramann Schorsch, die 2014 über die Feierlichkeiten in Hohenbrunn berichtet haben, werden bei einem Theaterstück zum Thema "Ehrenamt" wieder antreten und eine Reportage machen.
Und da ich mittlerweile einen recht passablen Tierpark (inkl. Dinosaurier und Fabelwesen) habe, weiß ich auch schon ungefähr, wie das dritte Stück aussehen wird. Das wird das schwierigste, weil es sehr einfach werden soll...

Ich erstatte Bericht, wie die Sachen sich entwickeln und wie sich die "alten" Figuren in die "neuen" Stücke einfügen. In der Zwischenzeit empfehle ich interessierten Besuchern ebenfalls einen Rückklickblick in diesem Blog.

Da gibt's Sachen, die gibt's gar nicht!

Dienstag, 27. Juni 2017

Reklame!

Ihr erinnert euch an meine formschöne Flyerbox, die ich neben mein ebenso formschönes Reklameschild am Zaun gehängt habe, damit die Leute, die zum Spielplatz an der Ecke gehen, etwas zum Mitnehmen haben?

Heute hab ich endlich neue Flyer gemacht und in die Box gepackt, denn es geht aufwärts und ich kann (und muß!) wieder unter Leute kommen.


Also gibt es heute mal Werbung in eigener Sache.








So siehts jetzt aus. Doppelseitig auf A5 mit allen wichtigen Daten zum Theater.


Tri-tra-trullala... ruft den Kaschperl an!



Montag, 26. Juni 2017

Neulich, im Dschungel

Am Wochenende hatte ich die Ehre und das Vergnügen, beim Geburtstag einer kleinen Prinzessin aufzutreten. Wegen der hohen Temperaturen gab es eine OpenAir-Vorführung, die ich zwar nicht sehr schätze, weil ich dabei sehr laut schreien muß, um gut verstanden zu werden - und weil der Wind ein Feind von Papierfiguren, -Kulissen und -Requisiten ist.

... das ist nur ein Platzhalterfoto aus dem Theaterkeller;
vielleicht bekomme ich noch ein paar
bessere Bilder von der eigentlichen Vorstellung


Zum Glück konnte ich ein Kind aus dem Publikum zum Assistenten ernennen, das immer wieder eingesprungen ist, wenn der "Kannibalenkochtopf" (der eigentlich gar keiner war) umgefallen ist.


Das Stück war vom Sommer 2010 und ein Teil der Darsteller ebenfalls. Mittelneu war das Schaufenster-Proszenium, das dem Wind dankenswerterweise getrotzt hat. Es hat schon was Gutes, die massive Holzbauweise.

Wenn ich da an die Experimente mit dem Samtvorhang denke, hinter dem ich mich früher "versteckt" habe...
Suchbild von 2012: irgendwo hinter dem Flatterfummel
steht die Direktorin des Theaters ♫





die neue "Schaufenster"-Bühne im Hof
Neu und alt war die Tatsache, daß ich auf zusätzliche Licht- und Soundeffekte (wieder) verzichte. Ich habe eine Glocke, mit der ich bimmeln kann, wenns losgeht und ich habe eine laute Stimme.


Also belle ich und quietsche ich und knurre ich und zur Not kann ich sogar rülpsen (kommt immer sehr gut an, wenn z.B. der böse Wolf die Großmutter verschlungen hat).


Diese schlichte, einfache Spielweise liegt mir einfach am besten, auch wenn ich nach wie vor immer schwer beeindruckt davon bin, was meine Kollegen auf die Bühnen bringen.
Da liegen Welten dazwischen - und doch ist beides "nur" Papiertheater.